Portfolio-Rebalancing: Wie oft sinnvoll? Strategien und Umsetzung

Portfolio-RebalancingPortfolio-Rebalancing ist vielen ein Begriff. Die verschiedenen Positionen eines Depots entwickeln sich in der Regel unterschiedlich, wodurch sich zwangsläufig die ursprünglich festgelegte Portfoliostruktur verändert – man spricht auch von einem Drift des Portfolios.

Tendenziell entwickeln sich risikoreichere Anlageklassen (z.B. Aktien) im Gegensatz zu risikoärmeren Anlageklassen (z.B. Anleihen) besser und bekommen im Laufe der Zeit immer mehr an Gewicht im Portfolio. Auch zwischen einzelnen Regionen und Marktkapitalisierungen (Large-, Mid- und Small Caps) kann es zu einem wie Eingangs beschriebenen Drift kommen.

Was ist Rebalancing?

Warum macht man Rebalancing und was versteht man darunter? Kurz: Es soll die ursprünglich festgelegte Portfoliostruktur wieder herstellen und somit den Drift zu ungewollten Risiken verhindern.

Des Weiteren erwarte ich einen Rebalancing-Bonus (Diversifikationsrendite) von etwas um die 0.5% pro Jahr, innerhalb Vermögensklassen mit vergleichbarer erwarteter Rendite, in einem gut diversifizierten Portfolio (z.B. innerhalb des Aktienteils des Weltportfolios).
Quelle: 4. aktualisierte Auflage, Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs von Gerd Kommer*, Seite 301, Rebalancing – Ihre Portfoliostruktur bewahren

Steht das erste Rebalancing an und beschäftigt man sich näher mit der Thematik, dann könnten sich folgende Fragen ergeben:

  • Welche Arten von Rebalancing gibt es und welche ist die richtige für mich?
  • Wie häufig sollte ich Rebalancing betreiben?
  • Wann ist der ideale Zeitpunkt für Rebalancing?
  • Lohnt sich der Aufwand (Zeit und Kosten) für das Rebalancing überhaupt?

In diesem Beitrag möchte ich oben genannte Fragen adressieren und Lösungen zur Umsetzung aufzeigen.

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Arten von Portfolio-Rebalancing

Aus meiner Sicht gibt es zwei unterschiedliche Arten von Rebalancing.

Umschichten

Rebalancing mittels Umschichtung hat ein wenig den Charakter von „Gewinnmitnahme und Nachkauf“, das heißt gut performende Positionen zu verkaufen und schlechter performende nachzukaufen (günstig einzusteigen).

Nachteil: Verursacht Kosten bei Verkauf und Kauf
Vorteil: Es wird kein zusätzliches Kapital (fresh money) benötigt

Nachkaufen

Durch einmaliges Nachkaufen, oder das Reinvestieren von Ausschüttungen wird das Portfolio auf die ursprüngliche Gewichtung zurückgesetzt. Das Nachkaufen kann auch mehrmals über einen Zeitraum verteilt erfolgen, je nach Verfügbarkeit von neuem Kapital. Dieser Zeitraum sollte allerdings nicht zu groß sein, das heißt die Portfoliostruktur sollte so schnell wie möglich wieder erreicht werden.

Nachteil: Es wird zusätzliches Kapital benötigt
Vorteil: Verursacht nur Kosten für den Nachkauf

Tipp: Bei meinem ETF-Portfolio betreibe ich zweimal pro Jahr Rebalancing über die Anpassung der monatlichen ETF-Sparraten. Das bedeutet, die Sparraten der schlechter performenden ETFs werden einmalig derart erhöht, dass mit der nächsten Ausführung das Rebalancing umgesetzt wurde. Danach werden die Sparraten wieder auf die ursprünglichen Werte zurückgesetzt und laufen weiter.

Rebalancing-Bonus

Zu der Frage ob sich Rebalancing lohnt, hilft ein Blick auf den nachfolgenden Vergleich. Der Vergleich von growney* veranschaulicht den renditeförderlichen Effekt von Rebalancing am Beispiel des Portfolios grow50 (50% Aktien, 50% Anleihen). Es wurden jeweils 10.000€ investiert, beim grünen Portfolio einmal jährlich Rebalancing durchgeführt (Transaktionskosten sind bereits abgezogen), beim blauen Portfolio wurde kein Rebalancing durchgeführt.

Rebalancing growney grow50

Portfolio
Endwert
Wertzuwachs
Rendite p.a.
blau
21.293,62€
112,9%
5,99%
grün
22.565,72€
125,6%
6,46%

Quelle: growney

Portfolio-Rebalancing wie häufig und wann?

Das Wichtigste bei der Beantwortung der Frage nach dem wann? und dem wie oft? ist die Notwendigkeit einer disziplinierten, periodischen, rein mechanischen Umsetzung ohne Emotionen. Das sagt sich leichter, als es in der Realität der Fall ist.

Wer möchte schon gerne sich gut entwickelnde Positionen verkaufen, um schlechter laufende nachzukaufen? Das klingt ein bisschen wie die Party zu verlassen, wenn es gerade so richtig losgeht.

Folgende Punkte sollen bei der Festlegung des Zeitpunkts helfen.

Fester Zeitpunkt

Einmal oder zweimal, zu gleichen, fixen Zeitpunkten pro Jahr. Bei der Frage nach der Häufigkeit orientiere ich mich hier an einigen Robo-Advisors.

Grenzwerte

Festlegung von Grenzwerten für die Veränderung der Gewichtung der einzelnen Positionen im Portfolio, beispielsweise +-15%. Das bedeutet, über- oder unterschreitet eine Position die ursprünglich festgelegte Gewichtung um 15%, wird Rebalancing durchgeführt.

Begründete klare Aussagen, welche der Methoden für Portfolio-Rebalancing zu bevorzugen ist, konnte ich keine finden.

Fazit

Rebalancing ist kein muss, aber empfehlenswert. Es verhindert den Drift des Portfolios und erhöht leicht die Rendite, was bei langfristiger Betrachtung beachtliche positive Effekte bringt. Man sollte es periodisch zu fixen Zeitpunkten umsetzen und kein verkapptes Market Timing betreiben.

Tipp: Wer sich nicht selbst um das Portfolio-Rebalancing kümmern möchte, der bekommt bei diversen Robo-Advisors gute Angebote für automatisierte ETF-Portfolios mit eingebautem Rebalancing.

Was ist mir die Dienstleistung des Rebalancings wert? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Es ist ein bisschen wie mit der Steuererklärung, der eine nimmt sich einen Steuerberater, der andere macht die Steuererklärung selbst. Letztendlich hängt es (wie so oft) vom Können, Zeit und Geld ab.

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